Unter dem Titel „Papierwelten – Kartonmodellbau gestern und heute“ zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bis 3. Oktober 2020 in seinem Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) eine Auswahl von über 70 Modellen aus verschiedenen Epochen, darunter Gebäude wie die Kathedrale von Reims, Schiffe und Fahrzeuge. Höhepunkte sind ein Kruzifix von 1529, das als erstes Kartonmodell bekannt ist, und ein zwei Meter langes Diorama, das Szenen in der chinesischen Stadt Tsingtau um 1911 darstellt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den Kartonmodellbaufreunden der Modellsportgemeinschaft (MSG) Duisburg.
Der Ursprung des Papierhandwerks reicht ins 16. Jahrhundert zurück. Wandelnde Drucktechniken sorgten für die Verbreitung von Modellbau-Bögen. Auf Holz- und Kupferstich folgte die Lithografie. Das von Alois Senefelder (1771-1834) erfundene Druckverfahren mit Steinplatten ermöglichte damals eine kostengünstige, einfache und auflagenstarke Produktion von Papierbögen jeder Art. Bekannte Verlage wie Schreiber oder Scholz konnten auf diese Weise ein breiteres Repertoire an Bausätzen anbieten, die für die Masse bezahlbar wurden.
Viel Geschick, Geduld und Fingerspitzengefühl sind gefragt, um aus zweidimensionalen Modellbaubögen detailgetreue Kunstwerke aus Papier und Pappe zu erstellen. Die Ausstellung zeigt auch Papiertheater. Die auch als Tisch-, Zimmer- oder Haustheater bezeichneten Miniaturbühnen erlebten besonders in bürgerlichen Familien ab den 1820er Jahren eine Blütezeit. Drucktechnik, Theaterfaszination und Bildungsbeflissenheit trugen zur Verbreitung in Europa bei. Aus Figuren- und Kulissenbögen entstanden detailgetreue Kleinstbühnen, die sich an den zeitgenössischen Inszenierungen der großen Theater orientierten. Opern, Schauspiele und Märchen vermittelten Wissen und unterhielten Familien. Eigens für die Ausstellung wurde das Modell „Schachtanlage Hercules der Zeche Vereinigte Nachtigall Tiefbau 1840“ entwickelt. Besucher dürfen sich den Baubogen kostenlos mitnehmen.
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Das russische Segelschulschiff Kruzenshtern (Padua) ist eine Viermaststahlbark, die heute nach dem deutsch-baltischen Kapitän und russischen Admiral Adam Johann von Krusenstern benannt ist. Heimathafen des Windjammers ist Kaliningrad. Das Schiff gehörte mit Schiffen wie der Pamir und der Passat zu den berühmten Flying P-Linern der Hamburger Reederei F. Laeisz, deren Namen traditionsgemäß mit einem „P“ begannen. Die Padua wurde als Frachtsegler und Segelschulschiff eingesetzt.....
Neben Schiffen gibt es noch andere Papiermodelle zu sehen – etwa Häuser aus der Schweiz, Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg und ein riesiges U-Boot. Die Originale wurden im kleineren Maßstab nachgebaut. Mit der Ausstellung möchte der LWL zeigen, was es für Freizeitbeschäftigungen gibt.
„Papierwelten, Kartonmodellbau gestern und heute“, Papiertheaterfiguren „Das Kätchen von Heibronn“, Verlag J. F. Schreiber
„Papierwelten, Kartonmodellbau gestern und heute“, Albrecht-Dürer-Haus, Verlag J. F. Schreiber, Maßstab 1:160, Modellbau S. Ropers
Der erste Kartonmodellbaubogen stammt aus dem Jahr 1529. Er zeigt ein Kruzifix, das von dem Instrumentenmacher Georg Hartmann aus Nürnberg konstruiert wurde. Mittels eines ausklappbaren Winkelmessers verwandelt sich das Kreuz in eine Sonnenuhr. Das Modell vereint religiöse Symbolik mit naturwissenschaftlichen Phänomenen und technischem Knowhow. Trotz einfacher Hilfsmittel und Drucktechniken gelang es Hartmann, einen präzisen Holzschnitt auf Karton zu übertragen. Alle Elemente sind miteinander verbunden und fügen sich ohne Bauanleitung wie von selbst zusammen.
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